Die Damenmode im 19. Jahrhundert

Almuth Schröder

Im 19. Jahrhundert stieg das Bürgertum nicht nur politisch zur maßgegebenden sozialen Klasse auf, sondern es war auch modebestimmend. Die Damenkleidung war im wesentlichen durch vier Stilepochen geprägt, wobei die Zeitangaben in der Literatur leicht varieren(2) und in der Realität der getragenen Mode zeitliche Überschneidungen und Verschiebungen sowie regionale Unterschiede vorhanden waren.

Zu Beginn des Jahrhunderts wurden die für das Empire (1804-1815) charakteristischen Chemisenkleider mit hochgegürteter Taille getragen. Die typische Biedermeiermode mit enggeschnürter Taille, knöchellangen weiten Röcken, die die zierlichen flachen Kreuzbandschuhe und ab ca. 1830 Stiefeletten sichtbar werden ließen, trug man zwischen ca. 1820 und 1840. Weitere Stilmerkmale der Biedermeiermode waren das tiefe, häufig von breiten, reich verzierten Schulterkragen geschmückte Dekolleté und die weiten, tief angesetzten Ärmel. Mit Biedermeier assoziiert man als Kopfbedeckung die Schute, die 40 Jahre en vogue war; Modedarstellungen zeigen aber auch große phantasievoll geschmückte Hutkreationen. Die Haare - in der Mitte gescheitelt - waren hinten kunstvoll hochgesteckt und seitlich zu Lockentuffs bzw. Korkenzieher- oder Stocklocken frisiert.

Im Spätbiedermeier (1836-48), kostümgeschichtlich als Zweites Rokoko bezeichnet, werden die Röcks bodenlang, weiter und mit übereinander gestuften Volants verziert , wobei die Anzahl der Unterröcke ständig zunahm. Damit war der Weg zur Krinoline vorgezeichnet, um die Röcke in Form zu halten. Wegen der weiten Ärmel und der umfangreichen Röcke dienten während der Biedermeier-Zeit Schultertücher, Schals and Umhänge als wärmende Kleidungsstücke. Ab ca. 1870 beherrschten Tournüren, Schleppen und nach wie vor die stark eingeschnürte Taille die modische Silhouette der Damenkleidung. Die Tournürenmode erlebte mit dem „Cul de Paris" (untergelegtes Kissen) um 1885 ihren Höhepunkt, um bald danach kleiner zu werden und bis zum Jahrhundertende ganz zu verschwinden.

Als Medium der Koketterie waren Sonnenschirme und für die Ballgarderobe Fächer unentbehrliche Requisiten.


(2)Vgl. Erika Thiel: Die Geschichte des Kostüms, 7. stark erweiterte und neugestaltete Auflage, Berlin 1980
    
Vgl. Ingrid Loschek: Reclaim Mode- and Kostümlexdkon, Stuttgart 1990.